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Walser, Martin »Tod eines Kritikers« Roman 218 Seiten – Suhrkamp, Frankfurt, 26. Juni 2002, EUR 19,90 ISBN: 3518413783
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Was will er denn? Diese Frage mag man sich bei »Tod eines Kritikers« in der Tat öfter stellen. Ich habe Schwierigkeiten, Walsers vieldiskutiertes Werk einzuordnen. Was ist es? Eine Mediensatire? Oder doch eine Abrechnung mit Marcel Reich-Ranicki? Letzteres scheint es vor allem mehr zu sein. Aber eine Satire über den Buchbetrieb ist es eben auch. Schwierig also das Ganze. Noch schwieriger, weil der Ich-Erzähler noch nicht einmal sonderlich sympathisch ist. Dennoch, schreiben kann Walser. Wunderschöne Sätze bringt er zu Stande, fast zärtlich beschreibt er die Figuren – fast so, als lägen sie ihm wirklich am Herzen. Oder als wolle er nur sichergehen. Fast klingt er manchmal angestrengt altbacken in seinen Formulierungen. Der Ich-Erzähler selbst entsteht wenigstens in meinem geistigen Auge als alter, müder, trauriger Mann zu Leben. Eine Satire? Ansonsten alles schön erzählt, manchmal etwas langatmig, aber die Figuren alle sehr lebhaft bis in die Sprache hinein, ein überraschendes Ende und gäbe es da nicht real life Reich-Ranicki, wäre das alles recht nett. Und das ist eigentlich auch der Hauptvorwurf, den man dem Autor machen kann: Dass er so wenig kreativ war. Walser hätte einen Erlkönig entstehen lassen können, der nichts mit Reich-Ranicki zu tun hat, aber dennoch als Metapher taugt. Die Deutlichkeit, mit der hier Reich-Ranicki zu erkennen ist, wertet das Buch auf unnötige Weise ab. Schade eigentlich. Mit etwas mehr Distanz des Autors hätte hier ein wahrhaft gutes Werk entstehen können. So bleibt es bei einem »ganz nett«. [StG]
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