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lit.COLOGNE 2003

 

Dann eben ohne die Säckel der Stadt

Am 19. März ging das Internationale Literaturfest »lit.COLOGNE« in seine dritte Runde. Knapp eine Woche lang war Köln mit rund 180 Mitwirkenden auf 88 Veranstaltungen Literatur-Hauptstadt. Wie kann ein Literatur-Festival in Zeiten katastrophaler Kassenlagen überleben? Droht die Stadt das bislang erfolgreiche Konzept gar zu vergraulen, sodass wir in Zukunft zur »lit.Hamburg« oder »lit.Frankfurt« reisen müssen?

Volker Maria Neumann sprach mit lit.COLOGNE-Programmleiter Rainer Osnowski.

Ein Blick ins diesjährige Programm der lit.COLOGNE mag manchen verwundern. Georges Simenon ist angekündigt, Kurt Cobain, Carson McCullers und sogar – Shakespeare. Wo sind die literarischen Schwergewichte, die – da noch nicht verschieden – in persona aus ihren Texten werden lesen können, wie Djian oder Houellebecq im letzen Jahr?

Rainer Osnowski - Programmleiter der lit.COLOGNE 2003Rainer Osnowski, der zusammen mit seinen Kollegen vom lko-Verlag die lit.COLOGNE vor drei Jahren aus der Taufe gehoben und auch das diesjährige Programm zusammengestellt hat, reagiert gelassen: »Feuilletonisten wechseln ihre Vorlieben. Mit Leon de Winter, Durs Grünbein, Cees Nooteboom undundund haben wir wieder zahlreiche Autoren aus der ersten Liga.« Man könne es nicht jedem Recht machen, fährt er fort. Richtig stolz sei man z.B. auf einen Gast wie Alice Seebold, in der Osnowski die literarische Entdeckung der Saison sieht und die exklusiv zur lit.COLOGNE aus den USA anreist. »Heute wird sie erst gerade bekannt. Im nächsten Jahr wird man dann fragen: ›Wo sind die Schwergewichte wie Alice Seebold?‹«

Nicht gar so entspannt scheint die Lage beim Thema Finanzen. Das Team der lit.COLOGNE ist von Anfang an den Weg über Sponsoren gegangen, um nicht von öffentlichen Geldern abhängig zu sein. Sehr weise, diese Entscheidung, wie sich spätestens jetzt herausstellt: Die Säckel der Stadt sind leerer als leer – und bei der Kultur spart man in Köln bekanntlich lieber als beim Brauchtum. Mit der städtischen Kulturdezernentin sei man hochzufrieden, konstatiert Osnowski, die Zusammenarbeit mit der Stadt könne aber – vor allem im logistischen Bereich und bei der Vermittlung von Sponsoren – noch erheblich besser sein.

Sie sollte besser sein. Denn das Konzept der Veranstalter hat sich schon jetzt mit enormem Publikumszuspruch etabliert. Und das haben dann auch andere gemerkt. Hamburg, so hört man, hat Interesse angemeldet. Auch Messe-Stadt Frankfurt/Main sucht Vergleichbares fürs Frühjahr. Doch noch wiegelt Osnowski, im Selbstbekenntnis »überzeugter Kölner« ab: »Das Kölner Publikum ist wie geschaffen für ein Literaturfest – was ganz Besonderes eben …«

Bleibt zu hoffen, dass es so bleibt.

[Volker Maria Neumann]

Weitere Informationen:

  http://www.litcologne.de

   

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