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Bayer, Thommie

Das Aquarium

Roman, 335 Seiten

Eichborn AG, Frankfurt, 2000

EUR 19,90; gebunden

ISBN: 3821808950

 

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litsal.de | Rezensionen | Thommie Bayer – Das Aquarium

 

Thommie Bayer, Das Aquarium

Vom Sehen und Gesehenwerden

Thommie Bayer – Das Aquarium Der Erfolg seines Romans »Einsam, Zweisam, Dreisam« liegt schon fünf Jahre zurück – das neue Buch besitzt alles, den damaligen Erfolg noch zu übertreffen: »Das Aquarium« ist eine rasant erzählte Liebesgeschichte, die gegen Ende mehr und mehr Züge eines packenden, niveauvollen Krimis annimmt.

Erzählt wird die Geschichte eines Voyeurs wider Willen und einer passionierten Exhibitionistin. Ich-Erzähler Barry hat gerade seine elfjährige Beziehung beendet. Bei Aufnahmen in dem Tonstudio, in dem Barry arbeitet, hat er seine neue »große Liebe« kennen gelernt – und kurze Zeit später bei einem tödlichen Verkehrsunfall schon wieder verloren. Voller Selbstmitleid sitzt er nun in seiner chicen Berliner Wohnung, kämpft mit den Nachwirkungen seiner eigenen Verletzungen und schreibt sich den Schmerz von der Seele. In der Wohnung gegenüber, in die Barry dank gläserner Fassaden beste Aussichten hat, zieht eine junge Frau ein. Sie ist blond, hübsch – und sitzt im Rollstuhl. Barry wird zum leidenschaftlichen Beobachter, die Gelegenheit macht ihn zum Spanner, und die behinderte Frau scheint Barrys Blicke zu genießen, denn sie sucht den Kontakt: In großen Lettern schreibt sie ihre E-Mail-Adresse an die Wand.

Zwischen den beiden Hauptdarstellern der Geschichte entsteht eine eigenartige Beziehung, die über die Grenzen der erzählten Geschichte hinaus bemerkenswert ist: Sind moderne Kommunikationswege wie das Chatten und das Schreiben von E-Mails angetan, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zu fördern? Barry und die Frau im Rollstuhl erzählen sich ihre tragischen Lebensgeschichten übers World Wide Web und vergessen darüber mindestens eine wesentliche Dimension menschlicher Kontakte ...

Der Autor versteht es, derlei Themen en passant anzureißen, den Spannungsbogen seiner Geschichte dabei aber nicht zu brechen. Denn das ist die eigentliche Stärke des Buches: die Geschichte, die erzählt wird. Dass diese in ihrer Ausgangssituation Hitchcocks »Fenster zum Hof« fast identisch ist, sehen wir dem Autor nach. Schließlich sind wir keine Puristen der Literatur, sondern dankbar für lesenswerte Bücher.

Volker Maria Neumann

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Thommie Bayer

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