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Bohlen, Dieter

Nichts als die Wahrheit

Roman, 335 Seiten

Heyne Verlag, Deutschland, 2002

EUR 20,00; gebunden

ISBN: 3453861434

 

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litsal.de | Rezensionen | Dieter Bohlen – Nichts als die Wahrheit

 

Dieter Bohlen, Nichts als die Wahrheit

Nichts als die Wahrheit?

Dieter Bohlen – Nichts als die Wahrheit Als Modern Talking sich 1987 endlich auflöste, konnte die Welt aufatmen. Nora sei Dank war das erfolgreichste deutsche Pop-Duo in der Pop-Geschichte verschwunden. Heute sind Dieter Bohlen und Thomas Anders wieder zusammen unterwegs. Und Dieter Bohlen sogar mit einem eigenen Buch. Seiner Biographie.

Warum der Autor dieses Buch schrieb, erklärt er direkt am Anfang. Weil er so oft gefragt wurde, wie man so reich wird, wie man so viele Frauen und Autos kriegt und wie man immer in die Medien kommt. Und all das kann Herr Bohlen sogar auf einer einzigen Seite – Ach! Was sag ich! – in einem einzigen Satz erklären: »Talent + arbeiten + arbeiten + arbeiten + arbeiten – dann kommt irgendwann auch die Kohle. Und: Haste Kohle, haste Frauen, haste Autos.« Und: Dass er mit diesem Buch vor allem »Schotter« verdienen will, gibt er ebenfalls unumwunden zu. Und am Ende des Vorworts schreibt er: »Hier bin ich, leckt mich alle! Eurer Dieter.« Da freut man sich als Leser.

So fängt es also an, das Buch vom Dieter. Frei von der Leber plaudert der Autor dann aus seinem Leben. Über seine Eltern, die Kindheit, das Studium, die Anfänge in der Musikbranche, Freunde, Frauen, Konkurrenten. Wen er alles nicht mochte, viele!, und wen er so alles nett fand. Bohlen schreibt wie er spricht. Bohlen ist »Baujahr 1954«. Und so erzählt er in schönstem Malocherdeutsch. Dass Frauen bei ihm »Frauenmaterial« sind zum Beispiel. Findet Bohlen zu Beginn für seine Mutter im Rahmen seiner linguisten Möglichkeiten noch fast zärtlich zu nennende Worte, so gehören seine Tiraden über Nadja ab del Farrag und Verona Feldbusch sprachlich wie inhaltlich in die unterste Schublade gesteckt. An manchem Stammtisch wird intelligenter über Frauen gesprochen. Bohlens Versuche selbstanalytisch zu sein oder gar psychologische Ursachen zu suchen, können an einen grauen Winternachmittag durchaus erheitern. Tolpatschig könnte man Bohlen vielleicht nennen, wenn man sich nicht bisweilen so über seine primitiven Allüren wundern würde.

Doch auch die Größen des Business bekommen ihr Fett bei Bohlen weg. Über Chris Norman sagt er »Bei ihm lief sozusagen gar nichts mehr außer der Nase«. Auch Howard Carpendale findet wenig Gnade: »Da war jemand fünfundzwanzig Jahre Profi im Musikgeschäft und wusste noch nicht mal was Dolby ist!«. Und ja, ach, der arme Engelbert. Was die Welt schon immer über ihn wissen wollte: »Dieser Engelbert musste fast taub sein, jedem anderem wäre bei der Dezibel-Zahl längst das Blut aus der Nase gekommen!«.

Über eine halbe Million verkaufte Exemplare. Ach, Deutschland …

Bohlen benimmt sich wie ein Bauer und genau so schreibt er auch. Genauer gesagt: Lässt er schreiben. Katja Kessler nämlich, Ehefrau des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann, und eben jene Bild-Zeitungsredakteurin, die die bedeutungsvollen Sätze neben den »Miezen« auf Seite eins verfasste. Sie fängt Dieter Bohlen sprachlich gut ein. Es wundert es wenig, wenn Auszüge aus Bohlens Buch schon vor der Veröffentlichung in der Bildzeitung zu lesen waren und das breite Volk heiß gemacht wurde. Nur wenigen Autoren lässt die Bildzeitung diese Ehre zukommen.

Wie zu hören ist, arbeitet Frau Kessler mit Dieter Bohlen bereits Teil 2 der Bohlen-Biographie mit dem Titel »Hinter den Kulissen«. Im August 2003, wie es heisst, könne die Fortsetzung erscheinen. Bohlen hatte bereits kurz nach dem Verkaufserfolg mit einem neuen Werk geliebäugelt: Er habe »noch so viele geile Sätze auf Lager« …

Ach, Deutschland …

Stefan Gentz

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Dieter Bohlen

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