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Buschheuer, Else

Das New York Tagebuch

Roman, 261 Seiten

Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2002

EUR 9,90; gebunden

ISBN: 3462030957

 

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litsal.de | Rezensionen | Else Buschheuer – Das New York Tagebuch

 

Else Buschheuer, Das New York Tagebuch

www.else-buschheuer.de

Else Buschheuer – Das New York Tagebuch Mit »café brazil« legte die 1968 in Berlin geborene Tanja Dückers 2001 nach ihrem ersten Roman »Spielzone« (1998) wieder einen Erzählband vor. Und der hat es in sich …

Haben Sie als Kind auch mal Tagebuch geschrieben? Ich zumindest habe es nicht. Aber ich war ja auch ein Junge. Mädchen, die Tagebuch schreiben gibt es ja nun wie Sand am Meer. Und was dort fabriziert wird, landet dann ja auch in der Regel in einer Kiste auf dem Speicher. Schieben Sie dieses Bild vom Tagebuch nun ruhig ebenfalls auf den Speicher ab. www.else-buschheuer.de – Das New York Tagebuch ist etwas anders. Mit pubertierenden Mädchenphantasien hat das nichts zu tun.

Am 30. Juni 2001 zog die ehemalige Pro 7 Wetterfee Else Buschheuer nach Manhattan, um für drei Monate beim Aufbau-Verlag ein Praktikum zu machen. Auf ihrer Homepage www.else-buschheuer.de führt sie dabei online Tagebuch – zum Mitlesen für die ganze Welt und die Fans im Speziellen. Damit beginnt das Buch. Hinter ihr liegen gerade der erfolgreiche Erstling »Ruf! Mich! An!« und ihr zweiter Roman »Masserberg«. Und so ist Else Buschheuers Tagebuchbeginn auch genauso amüsant und rotzig und böse wie erwartet. Ihre ersten stolpernden Gehversuche in der neuen Manhattaner Umgebung breitet sie Tag für Tag aus. Das ist soweit alles ganz nett und würde für sich schon ein nettes Buch machen. Doch dann kam der 11. September. Und erwischte Frau Buschheuer, die nur wenige Blocks entfernt wohnte, eiskalt. Tag für Tag dokumentiert sie das Grauen und Schrecken in Ihrem Webtagebuch. Einer erstaunlichen Veränderung Zeuge wird man da. Aus der coolen, spöttischen wilden Else wird plötzlich eine viel sensiblere Stimme. Plötzlich liest man bisweilen den Tränen nah mit. Ausnahmezustand mit Folgen.

Noch am 11. September fragt Ivonne von Opel von der »Welt Am Sonntag« per E-Mail bei Frau Buschheuer an, ob sie nicht in der am kommenden Sonntag erscheinenden Literaturbeilage ein paar Leseempfehlungen geben möchte. Frau Buschheuers Antwort: »Jetzt nicht! Mir fliegt grad das World Trade Center um die Ohren.«

»Die Zeit war außer Kraft gesetzt. Schreibenmüssen, Nichtschlafenkönnen, Bleibenmüssen. Und sich an den Kopf greifen, wenn man an sein früheres Leben denkt. An den Promischeiß. An die Talkshow-Auftritte. An die Wetterfee.«
Eintrag vom 15.09.2001

Eindringlich werden die Ohnmachtssituation beschrieben, der extreme psychologische Druck und das Chaos. Die Frage: »Was passiert jetzt?« rückt in den Vordergrund. Doch zuviel sei hier nicht verraten. In jedem Fall ist es ein außergewöhliches Stück Zeitdokumentation, dass man auf jeden Fall gelesen haben sollte.

Schade ist allerdings, dass KiWi bei der typographischen Umsetzung nicht gerade die glücklichste Wahl getroffen hat. Sicherlich ist es schwierig, Format und Eindruck des Online-Mediums in das ganz andere Format Buch zu bringen. Aber die Eurostyle löst das Problem auch nicht und macht es eher schwerer lesbar. Schade eigentlich.

Stefan Gentz

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