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Duve, Karen

Regenroman

Roman, 293 Seiten

Ullstein Verlag, München, 2000

EUR 7,95; Taschenbuch

ISBN: 354860028X

 

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litsal.de | Rezensionen | Karen Duve – Regenroman

 

Karen Duve, Regenroman

Himmel! Hilf!

Karen Duve – Regenroman Gehören Sie zu der Sorte Mensch, die es sich leisten können, sich eines winterlichen Nachmittags bei einbrechender Dunkelheit mit einer Flasche gutem Rotwein und etwas zu knabbern vor einen Kamin zu setzen? Und dabei ein Buch zu lesen? Wenn ja, dann tun Sie das und holen Sie sich am Besten vorher noch eine warme Stoffdecke. Denn nur in dieser Zeit dunklen Jahreszeit, in der man an schlechtes Wetter gewöhnt ist, ist dieses Buch überhaupt lesbar.

Und nur, wenn man sich dabei vor einen wärmenden Kamin setzen kann. Alle anderen kitschfreien Leser sollten von diesem Buch die Finger lassen. Auf dem Back-Cover steht der Spiegel zitiert: »Ein sensationeller Erfolg« und die Zeit nennt es »ein gnadenloses Debüt«. Unverständlich, wie ich finde.

Es regnet ununterbrochen. Die 1961 geborene Karen Duve lässt es hier über 293 Seiten ununterbrochen nieseln, regnen, munter prasseln, nässen, tropfen, spritzen, sickern, rülpsen, gurgeln und glucksen. Morgens, Mittags und Abends. Und nachts sowieso. Und aus dem Moor kommt auch noch Feuchtigkeit, aus dem Boden, vom Himmel, überall Nass, allesgrauimmergrau! Himmel! Hilf!

Das ist doch aber eine nette Kulisse, mag mancher da denken, die doch einen schönen Rahmen geben könnte für eine spannende Geschichte. Denkste. Die Geschichte des Versagers Leon, der sich vom Vorschuss für eine Zuhälter-Biographie ein durchgeweichtes Haus im Moor kauft, um dort mit seiner bulimiekranken Ehefrau ein Landunter-Leben zu führen, bis Ehe, Bandscheibe und Moral baden gehen, ist nach ein paar Seiten von ermüdender Langeweile, klischeebeladen und schemenhaft. Was kein Wunder ist, wenn es ständig regnet.

Und auch die bulimiekranke ständig würgende Ehefrau Leons ist schemenhaft und blass. Wie Patchwork eines Querschnitts aus fünf Frauenmagazinen. Mit ihrer Ersatzliebe zu dem fetten, faulen Hund Noah (der fast genauso nervt) wird sie von Kapitel zu Kapitel unerträglicher. Vielleicht – Vielleicht! – hatte selbst die Autorin diese impertinente Protagonistin gegen Ende einfach nur noch satt? Denn alles geht schief. Leon kann sein Buch nicht schreiben (Schreibblockade – was will uns die Autorin damit sagen?), das Haus stellt sich als völlig morsch heraus, die Ehe entfremdet sich in der Fremde, eine Schneckenplage tut ihr Übriges (auch hier kann alles noch mal schön schmatzen).

Doch es finden sich auch einige amüsante Details hier, die man leicht zu überlesen droht. So schreibt sie: »Martina bog in den Garten ein und überfuhr einen tapferen, mehrfach blattamputierten Löwenzahn, der es bereits gewohnt war, regelmäßig niedergewalzt zu werden und wieder aufzustehen.« Daran kann man Gefallen finden. Die Autorin führt des Lesers Blick teilweise in kinematographischen Bahnen durch das Geschehen und die Landschaft.

Das eigentlich Schlimme aber ist: Frau Duve kann ganz nett erzählen, aber nicht wirklich gut schreiben. Sie bemüht sich, sehr sogar, aber es bleibt letztlich die Frage zu beantworten: Wer soll das lesen? An welchen Leser hat Frau Duve dabei gedacht? Ich würde das Buch gerne an eine gelangweilte, Brigitte lesende, Hausfrau verschenken. Denn das ist die Zielgruppe. Mit Literatur hat das aber leider nichts zu tun und die Zitate auf dem Backcover sollten mit Vorsicht bedacht werden. Florian Illies beispielsweise nannte es in der FAZ »einen irreparablen Wasserschaden« – und ganz unrecht hat er damit nicht.

Stefan Gentz

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Karen Duve

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