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Ferrante, Elena
Tage des Verlassenwerdens
Roman, 256 Seiten
List Taschenbuch Verlag, Berlin, 2005
EUR 7,95; Taschenbuch
ISBN: 3548605036
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litsal.de | Rezensionen | Elena Ferrante – Tage des Verlassenwerdens
Elena Ferrante, Tage des Verlassenwerdens
Einmal Hölle und zurück
Eine großartige Leistung findet Volker Maria Neumann den Roman »Tage des Verlassenwerdens« der italienischen Autorin Elena Ferrante (»Lästige Liebe«) die hier ihre Erzählerin Olga schmerzvoll fallen und leiden lässt.
Aus dem Italienischen von Anja Nattefort.
Klappentext
Eine junge, attraktive Frau wird plötzlich von ihrem Mann verlassen. Allein mit den beiden Kindern und dem Hund fällt sie in einen dunklen Abgrund, dessen Existenz sie früher nicht einmal erahnt hätte. Der schwindelerregende Fall Olgas, ihr Scheitern an den ganz alltäglichen Dingen und ihr Zweifel an ihrer weiblichen Identität lassen den Leser nicht mehr los. Mit einer kraftvollen, sensiblen Sprache führt die Autorin den Leser bis zum dunkelsten, schmerzvollsten Grund weiblicher Erfahrung.
Es erzählt eine Frau, sie erzählt die Geschichte einer Frau, die Geschichte der poverella, jener Unglücklichen, um die alle einen Bogen machen, deren Sprache niemand mehr spricht, da sie die Verlassene ist.
Olga, so heißt die Erzählerin, bekommt von ihrem Mann gesagt, er wolle sie verlassen, sofort, es gebe da eine andere, eine Jüngere, eine Schönere. Olga war glücklich mit ihrem Mann Mario – bis zu diesem Tag, da er nach dem Abendessen die Koffer packt und verschwindet, während sie noch die Teller spült und hofft, er scherze makaber. Dann sitzt sie da, mit den beiden Kindern und dem altersschwachen Hund, der eigentlich Marios Hund war. Was ist geschehen? Hat Mario nur eine seiner »Launen« und kommt bald zurück? Mario kommt nicht zurück. Der Alltag bleibt, das Alleinsein bleibt und die drängenden Fragen bleiben, die Olga nicht zu beantworten weiß. Sie fällt. Sie fällt und fällt und schreit und wütet, verwahrlost, kämpft, gibt auf und lebt doch weiter. Einmal Hölle und zurück.
Elena Ferrante skizziert in »Tage des Verlassenwerdens« eine Chronik, einen nüchternen Bericht vom Durchschreiten der Hölle, von der erzwungenen Tötung einer Liebe. Von Anfang an ist dem Leser klar: Hier denkt sich niemand einen schönen, rührenden, logischen oder sonst wie ausstaffierten Roman aus, hier wird einfach erzählt, wie das ist, wenn man von jetzt auf gleich verlassen wird. Unprätentiös, glasklar die Sprache, die »Handlung« in jedem Detail luzide, diszipliniert die Erzählhaltung. Analyse statt Bebilderung, Seziermesser statt Tränendrüse. Ein großartige Leistung dieses Buch!
Volker Maria Neumann
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Elena Ferrante
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