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Glavinic, Thomas

Wie man leben soll

Roman, 239 Seiten

dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2004

EUR 14,00; Taschenbuch

ISBN: 3423243929

 

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litsal.de | Rezensionen | Thomas Glavinic – Wie man leben soll

 

Thomas Glavinic, Wie man leben soll

»Ich schätze es nicht, mich zu wiederholen«

Thomas Glavinic – Wie man leben soll Nach »Carl Haffners Liebe zum Unentschieden«, »Herr Susi« und dem Krimi »Der Kameramörder« – drei auf je eigenen Weisen originelle Romane – erscheint nun mit »Wie man leben soll« ein neues und neuerlich lesenswertes Buch des österreichischen Schriftstellers Thomas Glavinic. Volker Maria Neumann hat das Buch gelesen und mit dem Autor gesprochen.

Klappentext

Wenn man jung ist und ein Mann, dann kann es sein, dass man ein Schulterzucker, ein Sitzer ist. Zumindest, wenn man zu einer Generation gehört, die nicht so recht weiß, wie man nun eigentlich leben soll. Woher und von wem sollte man das auch wissen, wenn man, wie Karl »Charlie« Kolostrum, Teil einer überspannten Familie ist und eine Mutter hat, deren Neigung zum Alkohol und zu promiskuitivem Sex schon früh den Vater verjagte. Wenn man also, kurz gesagt, sich selbst überlassen und nur mit der eigenen Person und deren Wirkung beschäftigt ist, dann braucht man auch eigene Lebensregeln, und zwar in so ziemlich jeder Hinsicht …
 

Form follows function

Thomas Glavinic »Am Anfang jeder Geschichte steht die Frage, wie man sie erzählen soll, aus welcher Perspektive man sich an den Stoff wagt. Für mich bestimmt der Inhalt die Form und nicht umgekehrt. So wie es zwei Arten von Schauspielern gibt, nämlich jene, die sich immer selbst spielen, und jene, die immer in ihre Rollen schlüpfen, so gibt es Autoren, die an ihrem Stil festhalten und ihn ihrem Stoff aufzwingen, und Autoren, die stilistisch mit ihrem Stoff ›mitgehen‹. Ich gehöre zur letzteren, der kleineren Gruppe.«

Der Inhalt, von dem Glavinic hier spricht, ist die Geschichte des Charlie Kolostrum, eines fettleibigen, schüchternen und lahmarschigen Sitzers. Ein Sitzer ist der, der nicht weiß, wie und warum er sich bewegen sollte, in einer Zeit, die jede Möglichkeit von Bewegung erst einmal veralbert. Wir begleiten Kolostrum durch seine letzten Schuljahre in den Achtzigern, die Mühen der ersten Liebe, durchs Abitur und das Scheitern an der Uni, bis hin zum Arbeitsplatz in einem Taxi, wo er dann auch an seinem dreißigsten Geburtstag noch sitzt.

Thomas Glavinic »Das Meiste, das Charlie Kolostrum widerfährt, ist wohl uns allen schon passiert. Und die Gefühle, die ihn beschäftigen, kennen wir alle.«

Ein klassischer Entwicklungsroman also, möchte man meinen. Doch, was ist das? Der konsequente Ich-Erzähler des Buches spricht von sich selbst konsequent in der dritten Person – und das mit dem unpersönlichen »man«. Oje, denkt man da zunächst, das wird doch nicht im ganzen Buch so weitergehen? Und ob! Und das ist auch noch gut so, es ist sogar das Beste daran. Denn mit diesem Kunstgriff ermöglicht sich der Autor eine durchgängige und treffsichere Persiflage auf die Seuche moderner Ratgeberkultur. Haltlose, ja alberne Verallgemeinerungen, mit denen man allerorten bombardiert wird, werden in Glavinics Roman schonungslos ad absurdum geführt. Das birgt dann nicht nur ein großes Lesevergnügen, sondern auch noch einen gewitzten Erkenntnisgewinn.
Der Autor bringt es auf den Punkt:
»Die Ratgeber in den Lebenshilfeabteilungen der Buchhandlungen machen auch nichts anderes. Bloß: Die meinen das ernst.«
 

Volker Maria Neumann

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Short Info

Thomas Glavinic

Thomas Glavinic, geboren 1972 in Graz, schreibt seit 1991 Romane, Essays, Erzählungen, Hörspiele und Reportagen. 1998 erschien sein erster, hochgelobter Roman »Carl Haffners Liebe zum Unentschieden«, 2000 folgte sein zweiter Roman »Herr Susi«, 2001 sein Kriminalroman »Der Kameramörder«, der 2002 mit dem Friedrich-Glauser-Krimipreis ausgezeichnet wurde. Thomas Glavinic lebt mit seiner Familie in Wien.