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Goldt, Max

Wenn man einen weißen Anzug anhat

Hörbuch, 157 Minuten

Ammann Verlag & Co., Zürich, 2003

EUR 20,00; CD (Box)

ISBN: 3899031180

 

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litsal.de | Rezensionen | Max Goldt – Wenn man einen weißen Anzug anhat

 

Max Goldt, Wenn man einen weißen Anzug anhat

Wenn man einen weißen Anzug anhat

Max Goldt – Wenn man einen weißen Anzug anhat Florian Illies befand 2002 in der FAZ, dass der Autor selbst von der eigenen Form der Wirklichkeitsbeschreibung gelangweilt sei, und daher über die Form nachdenke, statt kühn drauflos zu formen. Trauere man also den Zeiten nach, da kaum jemand in der Lage war, vor eine Buchhändlerin zu treten und fehlerfrei die komplizierten Titel älterer Goldt-Bücher auszusprechen? Volker Maria Neumann befindet, zumindest das neue »Tagebuch Hörbuch« zeige einen Goldt in Bestform.

Klappentext:
Das neue Buch von Max Goldt ist so neu wie noch kein Buch von Max Goldt zuvor: Unvorabgedruckt nämlich und der Form nach, anders als sonst, nicht eine Sammlung von Kolumnen oder Essays, Grotesken, Scherzi oder Betrachtungen, sondern ein Tagebuch. Es beginnt im September 2001 und zieht sich noch ein Weilchen ins Jahr 2002 hinein, wobei der Autor die Gelegenheit ergreift, über alles zu berichten, was sein Leben und seinen Alltag ausmacht: Kommentarwichsmaschinen, Funken von Restanstand, Eugenie Marlitt, jene talentvolle Autorin "zaghaft frauenemanzipatorischer Gesellschaftsromane des 19. Jahrhunderts".

Was schrieb die deutsche Intelligenz auf ihre Notizzettel, die sie sich nach dem 11. September 2001 neben die Telefone legte, für den Fall, dass Medienvertreter auf Meinungsjagd anrufen sollten? Goldt verachtet sie, natürlich, zumindest veralbert er sie, die »Kommentar-Wichsmaschinen« – und so schämt er sich kein bisschen, seinen Tagebucheintrag nach zwei Stunden CNN zu verraten: »Weltgeschichte kotzt mich gerade an, wie eine unangeleimte Kampfqualle.«

Sollte man nicht in diese Schule Frau Angela Merkel schicken, die im Fernsehen derweil sagt, was Frau Angela Merkel eben so sagt, wenn Terroristen mit Flugzeugen in Hochhäuser fliegen? So beschließt Goldt eine dreitägige Medienabstinenz, bis er Vorschläge unterbreitet, den Stockhausen-Eklat nach dem Vorbild Gloria von Thurn und Taxis zu entschärfen. Max Goldt liebt die Hochpräzisionsverballhornung, humorige Streu- und Splitterbomben sind seine Sache nicht. Und gut tut er daran – wobei man ja gelernt hat und also nachsehen kann, dass Hochpräzisionswaffen auch schon mal daneben gehen –, denn sehr genau will man dann doch erfahren, warum Anschläge in den Medien grundsätzlich »feige«, Unfälle immer und unvermeidlich »tragisch« und die Suche nach Überlebenden stets »fieberhaft« ist.

Goldts stark manierierter Habitus im Vortragen kommt alledem zugute, larmoyant wirkt er nie und daher nervt er selten, selbst dann nicht, wenn er sich ernstlich über Marienkritiker, Tauchsieder, grüne Pullover und weiße Anzüge auslässt. Das neue »Tagebuch-Hörbuch« zeigt einen Goldt in Bestform.

Volker Maria Neumann

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Max Goldt

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