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Illies, Florian

Anleitung zum Unschuldigsein

Roman, 164 Seiten

Argon Verlag GmbH, Berlin, 2001

EUR 17,50; gebunden

ISBN: 3870245441

 

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litsal.de | Rezensionen | Florian Illies – Anleitung zum Unschuldigsein

 

Florian Illies, Anleitung zum Unschuldigsein

Anleitung zum Unschuldigsein

Florian Illies – Anleitung zum Unschuldigsein Mit der Pop-Literatur ist das so eine Sache. Was ist denn nun genau Pop? Wenn man sich seitenlang über Musik und Mode-Labels auslässt? Vielleicht eine Prise Alkohol hier, eine Priese Drogen dort, viele Partys und ein bisschen Liebesleid. Pop-Literatur – die literarische Form der Nachmittagstalkshow?

Ganz so einfach ist es nicht. Gerne mag man Illies in die Sparte Pop-Literaten einordnen. Seine Sätze sind kurz, die Sprache jung und frisch. Unverbraucht und ohne den melancholischen deutschen Literatenblick spießt er kleine Details unseres Alltagslebens auf und seziliert sie mit fast sadistischem Blick. Da ist die Geschichte mit dem Rosenverkäufer, der den Mann vor der Frau in Bedrängnis bringt, da ist die Geschichte mit der Mülltrennung, die man nie so ganz auf die Reihe kriegt, oder dem endlich mal wieder freiem Tag, für den man sich soviel vorgenommen hat. Um dann doch nichts davon zu realisieren. Nicht wirklich wichtig alles, aber nett und mit hohem Wiedererkennungswert, sehr unterhaltsam erzählt und – man kann es nicht anders sagen – eben oberflächlich. Keines der Probleme wird tiefer ausgebreitet, erst recht nicht in größerem gesellschaftlichem oder philosophischem Rahmen verarbeitet. Aber dazu lohnen die kleinen Probleme eben auch gar nicht. Illies erhebt nicht den Anspruch, die großen Probleme unserer Zeit zu analysieren oder gar größere gesellschaftliche, politische oder moralische Zusammenhänge. Sondern den Common Sense, das Alltägliche, in dem sich jeder wiederfinden kann. Der 1971 geborene Illies schreibt Bücher für Nichtleser.

Im Prinzip ist »Anleitung zum Unschuldigsein« der direkte Nachfolger von »Generation Golf«. Und dass Paul Watzlawicks »Anleitung zum Unglücklichsein« nicht nur Namenspate ist: Auch klar. Dreist abgekupfert, die Idee – auch klar. Aber mit Watzlawicks kann man Illies nun wirklich nicht vergleichen, auch wenn der Vergleich Illies ehrt. Und außerdem: Hey! Es geht hier ums Unschuldigsein! Nicht ums Unglücklichsein!

Über 23 Übungskapitel schwenkt Illies über Alltagsprobleme, die von »Heute trenne ich den Müll nicht« über »Heute lasse ich einen Tramper im Regen stehen« bis zu »Heute rede ich mit Bernd« reichen. Das Schema ist immer gleich: Zunächst erfolgt auf wenigen Seiten die Beschreibung des Problems. Anschließend folgt ein Übungsvorschlag. Und bei eben diesen greift Illies kräftig daneben. Dumme Provokation? So muss man das wohl sehen. Vielleicht ist es ja auch ironisch gemeint. Wie auch immer. Überspringen Sie einfach die Übungen. Und wenn Sie Herrn Illies das nächste mal sehen, grüßen Sie ihn von mir. Kaufen Sie sich bitte vorher einen Hamburger.

Klar, »Anleitung zum Unschuldigsein« darf man nicht ganz ernst nehmen. Vor allem nicht die Übungen am Ende jedes Kapitels. Denn was einem der Autor da empfiehlt ist ebenso sinnlos wie es jeglichen westlich-zivilisierten Wertevorstellungen widerspricht. Und vielleicht ist das auch der Rettungsanker, den Illies setzt, um dem Buch seine Unschuld zu nehmen. Denn ohne diese ärgerlichen Übungen wäre es einfach zu nett, weil zu vertraut, zu sehr klar-kennt-man. Illies kann gut beobachten und gut schreiben. Das sollte er ausbauen. Auf die billige Provokation sollte er verzichten. Dann wird mal was aus ihm. Große Zukunft und so. Glauben Sie mir.

Stefan Gentz

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Florian Illies

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