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Krampitz, Karsten

Ein Freund des Verblichenen

Roman, 142 Seiten

Ullstein Verlag, München, 2002

EUR 18,00; Softcover

ISBN: 3550083793

 

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litsal.de | Rezensionen | Karsten Krampitz – Ein Freund des Verblichenen

 

Karsten Krampitz, Ein Freund des Verblichenen

Vom Honi des Ostens

Karsten Krampitz – Ein Freund des Verblichenen Nach »Rattenherz« und »Affentöter« legte der 1969 in der damaligen DDR geborene Karsten Krampitz 2002 mit »Der Kaiser vom Knochenberg« seinen dritten Roman vor. Krampitz, der unter anderem auch für die Berliner Seiten der FAZ schrieb, erzählt hier die Geschichte des Protagonisten Tobias Schäbitz und beweist, dass deutsch-deutsche Themen ebenso unterhaltsam wie schwungvoll sein können.

Tobias Schäbitz fährt Taxi in Berlin. Ein unterbrochenes Studium, allerhand unzeitgemäße Talente und ein viel zu kurzer rechter Arm machen noch keinen erfolgreichen Mann in »den besten Jahren«. Einunddreißig ist er, der Sonderling mit ausgeprägtem Putzfimmel, als seine Freundin Esther schwanger wird. Er erfährt es nicht von ihr, sondern von Gratulanten im Bekanntenkreis, die ihm gar nicht angenehm sind. Es war gewiss nicht sein Plan, sich zu vermehren. Seine Beziehung droht darüber zu zerbrechen und Tobias befragt seine Vergangenheit nach Gründen. So kehrt der Leser mit Tobias zurück in eine kleine Siedlung im Brandenburgischen: Knochberg nennen die Einwohner des Viertels von Wolzow ihre Wohnstatt. Der kleine Tobias genießt großes Ansehen, wird er doch mit dem Dienstwagen der Marke »Wolga« zur Schule gefahren. Der Vater erklärt ihm, er sei so etwas wie »der Erich Honecker von Wolzow«. Diese und andere Lebenslügen entlarvt Tobias in der Rückschau, bis hin zu einem Unfall, der nie einer gewesen ist.

Munter fabulierend, so schwingt sich der Autor mit seinem Ich-Erzähler durch den Text. Das ist kein einfaches Sprücheklopfen – »Geographie ohne Reisen ist wie Bier ohne Alkohol« (im DDR-Schulunterricht!) –, sondern die blanke Lust an spitzen Formulierungen und gehässigen Seitenhieben. Mit seiner schneidigen Wortwahl und seinem oft lakonischen Sarkasmus wirkt Krampitz mitunter wie ein Peter-Paul Zahl des Ostens. Das Ergebnis ist ein höchst unterhaltsamer Text, der belegt, dass selbst deutsch-deutsche Themen schwungvoll sein können.

Volker Maria Neumann

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Karsten Krampitz

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