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Kurkow, Andrej

Ein Freund des Verblichenen

Roman, 142 Seiten

Diogenes Verlag AG, Zürich, 2001

EUR 16,90; Softcover

ISBN: 3257062397

 

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litsal.de | Rezensionen | Andrej Kurkow – Ein Freund des Verblichenen

 

Andrej Kurkow, Ein Freund des Verblichenen

Vom Fallen der Flocken im Winter

Andrej Kurkow – Ein Freund des Verblichenen »Wenn ich rauchen würde, wäre alles leichter. [...] Aber ich habe nie geraucht und denke, mit dreißig Jahren damit anzufangen, ist entweder kindisch oder blöd.« Was kann einem Buch noch groß passieren, das so beginnt? Nach »Picknick auf dem Eis« und »Petrowitsch« ist mit »Ein Freund des Verblichenen« der dritte Roman des russischsprachigen Autors Andrej Kurkow auf Deutsch erschienen.

Tolja ist einer jener schon typischen Romanfiguren, wie wir sie aus Kurkows bisherigen Büchern kennen und mögen. Tolja ist knapp über dreißig; er nimmt den Umstand, dass seine Frau ihn verlässt, einigermaßen ungerührt auf; er ist beschäftigungslos, gelangweilt von der Eintönigkeit ukrainischer Jahreszyklen und auf eine völlig unsentimentale Weise lebensmüde. Der Wunsch zu sterben ist folgerichtig, wie das Fallen der Blätter im Herbst (falls sich der Winter die Farben der Blätter leisten kann!). Allein – ihm fehlt der Mumm. Tolja engagiert also einen Auftragskiller, der ihm die »unerfreuliche Drecksarbeit« abnehmen soll. Durch einen blöden Zufall verpasst der Killer das Rendezvous, Tolja überlebt wider Willen, besäuft sich ganz fürchterlich, und wacht am nächsten Morgen in den Armen einer liebreizenden, bildhübschen, lebensfröhlichen Prostituierten auf, die ihn schnell in ihr Herz schließt und nicht mal Geld von ihm verlangt. Und siehe da: Eigentlich ist das Leben ja doch ganz schön. Dumm nur, dass der namenlose Killer bereits bezahlt und der Auftrag nicht mehr rückgängig zu machen ist ...

Natürlich: Der Plot ist bis hierher nichts Neues. Aber was Heinz Rühmann (1931) und Aki Kaurismäki (1991) gründlich verpassten, gelingt Andrej Kurkow spielerisch: Lakonische, unprätentiöse Komik, die ihre Wurzel im Trostlosen des ukrainischen Alltags zwar nie verleugnet, damit aber umgeht wie Tolja mit den Schneeflocken im Kiewer Winter: Er schaut ihrem nutzlosen Fallen vom Fenster aus zu, von da, wo’s schön warm ist.

Volker Maria Neumann

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