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Malchow (Hrsg.), Helge

Der schöne Überfluss - Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm

Roman, 259 Seiten

Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2005

EUR 19,90; gebunden

ISBN: 3462034618

 

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litsal.de | Rezensionen | Helge Malchow (Hrsg.) – Der schöne Überfluss - Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm

 

Helge Malchow (Hrsg.),
Der schöne Überfluss – Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm

Der schöne Überfluss

Helge Malchow (Hrsg.) – Der schöne Überfluss - Texte zu Leben und Werk von Uwe TimmUwe Timm, Jahrgang 1940, bekannt durch seinen Kinderbuchbestseller »Rennschwein Rudi Rüssel«  (verfilmt 1995) und die Novelle "Die Entdeckung der Currywurst" (1993), feierte am 30. März 2005 seinen 65. Geburtstag. Grund genug für Helge Malchow, Verleger von Kiepenheuer & Witsch, Freunde, Schriftstellerkollegen und Literaturkritiker ihre Gratulationen vorbringen zu lassen. Stefanie Westermayr hat sich den Sammelband genauer angesehen.

Klappentext

Schriftsteller, Kritiker und Weggefährten zeigen, was Uwe Timm und sein Werk ihnen bedeuten. Sein Geburtstag eröffnet die Möglichkeit, einen bedeutenden und anregenden Schriftsteller der Gegenwart auf neue Weise zu sehen: mit den Augen derer, die ihn und sein breites literarisches Schaffen begleiten.
Die Bedeutung und die Wirkung eines Schriftstellers lassen sich neben seinen Büchern auch daran ablesen, wer sich auf welche Art und Weise mit ihm beschäftigt. Indem dieser Band viele der wichtigsten Autoren, Kritiker, Publizisten und Literaturwissenschaftler unserer Zeit mit ihren persönlichen Beiträgen zum Werk und der Person Uwe Timms versammelt, belegt er genau dies: dass Uwe Timm seit fast 35 Jahren mit seinen Romanen, Kinderbüchern und Drehbüchern, aber auch mit seiner Persönlichkeit und seinem Auftritt Menschen bewegt, anregt und begeistert.

 

»Erzählt aber werden soll das Übliche unüblich, das Gewöhnliche ungewöhnlich«

Alltägliche Dinge und Begebenheiten werden aus der Sicht von Uwe Timm zu etwas Besonderem. Aber was bedeutet alltäglich? Timm definiert es so: »Das Übliche, Gewöhnliche. Erzählt aber werden soll das Übliche unüblich, das Gewöhnliche ungewöhnlich. Darin verschwindet das Alltägliche nicht, sondern es wird in seiner Bedeutung erst bewusst gemacht.« Er beobachtet, sammelt und teilt diese Dinge auf eine erzählerische Weise mit, die für den Leser gleichsam anschaulich und unterhaltsam ist.

Timm selbst hatte zuerst wenig Lust auf Literatur. Das Lesen, so Timm auf einer Podiumsdiskussion, machte ihm erst als Jugendlichem Freude. Der erste Versuch als Schriftsteller wanderte dann auch schnell wieder in die Schublade. Timm schlug zuerst einen ganz anderen beruflichen Weg ein als den, in dem er zwanzig Jahre später so erfolgreich sein würde: Er machte eine Kürschnerlehre und danach auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur.

Auch wenn die Arbeit mit Pelzen lange zurück liegt, denkt er beim Schreiben noch ab und zu an diese Zeit:

Uwe Timm»Es ist für mich ein befriedigender Vorgang, etwas zu zerstören, Teile oder Sätze auseinanderzunehmen, Sätze, die mir nicht gefallen, einfach mit der Taste DEL ins Nichts verschwinden zu lassen. Sie stehen nicht mehr da, durchgestrichen und gerade darum irritierend, Zeichen des Misslingens, (…) was mich an meine Arbeit als Kürschner erinnerte, bei der man durchaus ähnlich störende Stellen im Fell ausbessert.«

 

Nach dem Abitur studierte Uwe Timm Germanistik und Philosophie in München und Paris, zur Zeit der Studentenrevolten, die ihn zu seinen ersten Romanen »Heißer Sommer« (1974) und »Kerbels Flucht« (1980) inspirierten. Nationale Bekanntheit erlangte Timm mit »Die Entdeckung der Currywurst« (1993) und dem Drehbuch seines Kinderbuchbestsellers »Rennschwein Rudi Rüssel« (1989).
 

»Ein wesentliches Kennzeichen von Literatur ist, dass sie überflüssig ist«

Einerseits verknüpft Timm in seinen Werken Aktualität und Fiktion, andererseits reizt es ihn immer wieder, Dingen auf den Grund zu gehen, die jeder aus dem Alltag kennt und die er den Lesern in seiner realistischen Erzählweise neu darlegt – eben die Ästhetik des Alltags zu offenbaren. Für ihn ist »ein wesentliches Kennzeichen von Literatur, dass sie überflüssig ist. Sie ist – und mit dieser Einsicht muss man leben – nicht notwendig. Autoren, Kritiker, Literaturwissenschaftler haben das oft nicht vor Augen. Literatur ist (…) ein schöner Überfluß, und eben darum nicht notwendig. Anders übrigens als das Alltagserzählen. Das ist notwendig.«

Und gerade diese Autoren, Kritiker und Literaturwissenschaftler, die Timm in seinem Band »Erzählen und kein Ende« da anspricht, zollen ihm und seinem – gar nicht überflüssigen! – Werk zu seinem 65. Geburtstag Respekt. Mit 34 Texten von F. C. Delius, Peter Härtling, Sven Hanuschek, Martin Hielscher, Joachim Kalka, Reinhold Neven Du Mont, Tilman Spengler, Hartmut Steinecke, Martin Walser u. a. wird versucht, zumindest einen Teil des breiten Spektrums von Timms Fähigkeiten und seiner Person darzustellen. Auch wenn sich einige Texte zu sehr auf die »Currywurst«-Novelle und das Essen an sich konzentrieren, werden durchaus einige inspirierende, persönliche Beiträge geboten.

Und weiterhin scheint sich Uwe Timm auch immer wieder darüber zu freuen, wenn man sich als ganz profaner Leser mit seinen Werken auseinander setzt, steht Rede und Antwort bei seinen Lesungen und findet immer wieder mit seiner sympathischen, überzeugenden und doch bescheidenen Art großen Anklang – beim Publikum und Kritikern.

Stefanie Westermayr

Helge Malchow, »Der schöne Überfluss – Texte zu Leben und Werk von Uwe Timm« mit Beiträgen von: Wolfgang Balk, Keith Bullivant, F.C. Delius, Liane Dirks, Ulrich Dittmann, Manfred Durzak, Gerd Fuchs, Mattheo Galli, Mathias Greffrath, Ulrich Greiner, Detlev Grumbach, Peter Härtling, Sven Hanuschek, Ludwig Harig, Hartmut von Hentig, Martin Hielscher, Joachim Kalka, Michael Krüger, Dagmar Leupold, Paul-Michael Lützeler, Helge Malchow, Renate Matthaei, Klaus Meyer-Minnemann, Reinhold Neven Du Mont, Olaf Petersenn, Hermann Peter Piwitt, Günther Rohrbach, Joachim Sartorius, Michael Schneider, Egon Schwarz, Jens Sparschuh, Tilman Spengler, Hartmut Steinecke, Martin Walser und Dieter Wellershoff.

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Short Info

Helge Malchow (Hrsg.)

Helge Malchow, 52, ist Nachfolger des Unter-nehmensgründers Reinhold Neven DuMont und heute als Verleger von Kiepenheuer & Witsch tätig. Als Lektor betreut er u. a. Joschka Fischer und Wolf Biermann.