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Eckhart, Nickel

Was ich davon halte

Roman, 150 Seiten

Ullstein Verlag, München, 2000

EUR 15,95; gebunden

ISBN: 3886793486

 

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litsal.de | Rezensionen | Nickel Eckhart – Was ich davon halte

 

Nickel Eckhart, Was ich davon halte

Wenn Weltenbürger schreiben …

Nickel Eckhart – Was ich davon halte Mit dem Schreiben verhält es sich bei Nickel vermutlich wie mit dem Reisen. Der nötige Komfort, ein Mindestmaß an Luxus, gutes Essen, gute Weine, hier und da vielleicht ein paar Drogen, und drumherum der degoutante Plebs – Dinge die niemand missen möchte. Über allen Gipfeln noch muss Ruhe liegen, am Ende jeder langen Wanderung die ersehnte Tasse heißer Tee. Ein Adagio molto e cantabile. Nickel wäre gern bis in den Satzbau ein großer Romancier.

Denn Herr Nickel hält viel vom Schreiben. Und er hat über Thomas Bernhard promoviert (»Flaneur«). Aber erzählen? Kann Nickel auch gut erzählen? Eine nicht ganz unberechtigte Frage. Kann man sich gut drüber streiten. Nun, ich finde, Herr Nickel kann toll erzählen. Sehr toll sogar. Und noch viel besser schreiben.

Sätze wie »Adalbert von Breitenstein saß in seinem Ledersessel im Rauchzimmer neben der Bibliothek und las Tageszeitungen.« – ist das nicht einfach wunderbar? Da entsteht bei mir sofort eine ganze Welt. Und so schön altmodisch. Herrlich!

Oder etwa: »Hesse saß im Sessel. Eine Kanne Tee dampfte still auf dem niedrigen Tisch neben ihm. Der Winter war früh hereingebrochen.« – treibt Ihnen das nicht auch die Schamesröte ins Gesicht? Ich finde das unglaublich. Wo liest man sowas sonst noch?

Mancher mag nun einwerfen, der 1966 geborene Eckhart Nickel gehöre ja nun auch dem sogenannten pokulturellen Quintett an – jenem Männer-Zirkel aus Bessing, Kracht, v. Stuckrad-Barre und v. Schönburg, dessen Gesprächsrunden-Aufzeichnung »Tristesse Royal« herbe Kritik einstecken musste.

Doch poppen tut bei Nickel nun wirklich nix. Fatalistisch wird das Schicksal der kleinen Hässlichkeiten ertragen, fast aristokratisch notiert. Mehr gedankenverlohrene Tagebuchnotizen. So ein dickes Tagebuch mit verschlissenem Ledereinband und einer Schlaufe. Eins, dass schon die halbe Welt bereist hat. Eins, in dass man bei einem guten Glas Bordeaux und einer Zigarre im Raucherzimmer neben der Bibliothek gerne die lästigen Erlebnisse des Tages niederschreibt – zur Erleichterung der zarten, geschundenen Künstler-Seele. Schöne Worte können sich einer Decke gleich warm über die Unangenehmlichkeiten und die Leere legen. Dass Nickel das moderne Verkehrsmittel der Fliegerei wählt, und nicht etwa auf einem Dampfer die stürmischen Weltmeere durchkreuzt, mag mich fast zu verwundern.

Nun, wie soll ich schließen? Meine Jagdflinte habe ich ehrfurchtsvoll niedergelegt. Ich mag das Buch. Irgendwie. Ich nehme noch einen Schluck still dampfenden Tee und werde mir aber durchaus nochmal überlegen – ich werde nach Ihnen schicken lassen, wenn ich einen endgültigen Entschluss gefasst haben sollte –, ob Herr Nickel das Reisen eines Tages nicht besser dran geben sollte.

Stefan Gentz

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