litsal.de kultur & literatur lounge …     Startseite    lounge    Diskussion    Rezensionen    Autorenverzeichnis    Verlagsverzeichnis       v. 1.5

litsal.de bookinfo

Peter, Sheridan

47 Rosen

Roman, 253 Seiten

List Verlag, München, 2002

EUR 12,00; broschiert

ISBN: 3548680429

 

Sheridan - 47 Rosen bei amazon.de bestellen

 

   

litsal.de | Rezensionen | Sheridan Peter – 47 Rosen

 

Die Entdeckung des Vaters

Zu den wenigen Menschen, von denen wir alle behaupten, sie gut und lange und jedenfalls hinreichend zu kennen, zählt dieser eine ganz gewiss: der eigene Vater. Der irische Autor Peter Sheridan erzählt in »47 Rosen« von der mindestens beunruhigenden, schlimmstenfalls schockierenden Möglichkeit, nach dem Tod des eigenen Vaters herausfinden zu müssen, dass er ein völlig anderer Mensch war, als man es selbst ein Leben lang geglaubt hat.

»Da« – als Kurzform des engl. »Daddy« – ist auch in Sheridans zweitem Roman das mit Abstand häufigste Wort. »Da« war cholerisch und unberechenbar. »Da« war wettsüchtig und unbedingt katholisch. Er war rau und laut und herzlich und gut. »Da« war der große Zampano, der alle im Nord-Dubliner Arbeiter-Viertel nach seiner Pfeife tanzen ließ. Und »Da« war trotz allem und auf jeden Fall: ein guter Mensch, dem die eigene Familie stets das Wichtigste im Leben war. Peter, mittlerweile selbst Vater mehrerer Kinder, erfährt die Nachricht von »Das« Tod auf Geschäftreise in Derry. Er eilt zurück nach Dublin, er trauert mit der Mutter und den vielen Geschwistern, schwelgt mit ihnen in Erinnerungen und beginnt, die Idealisierung des Vaters über dessen Tod hinaus zu retten.

Mitten in die sensible Trauerzeit hinein kommt Doris, eine alte Freundin der Familie, aus Manchester herüber nach Irland und legt siebenundvierzig Rosen auf das Grab des Vaters. Peter wird stutzig; er fragt seine Mutter und erkennt an ihrer Reaktion, dass es dort etwas gegeben haben muss zwischen den Eltern, wovon Peter nicht die leiseste Ahnung gehabt hat. Er besucht Doris in England und findet nach und nach heraus, dass die siebenundvierzig Rosen auf seines Vaters Grab Doris’ Dank für siebenundvierzig Jahre waren, Dank für eine große Liebe, die auf Erden unerfüllt geblieben ist. »Da« hatte eine Freundin, eine Geliebte, und Peter löst eine Ménage à trois aus der Vergangenheit heraus, die ihm sein eigenes Werden in gänzlich neuem Licht präsentiert.

Schon der Vorgänger »Dublin im Herzen« war ein sehr persönliches Buch; erzählt wurde aus der Sicht des Heranwachsenden. In »47 Rosen« kann sich Peter Sheridan nicht mehr hinter der Kind-Perspektive verstecken. Herausgekommen ist eine Häufung irischer Familienanekdoten, ein Bericht hemmungsloser Offenheit, der selbst erfahrene Leser von »Innerlichkeitsprosa« die Röte ins Gesicht schießen lässt. Auf der Strecke geblieben ist dabei leider der unnachahmliche irische Humor, den Sheridan in »Dublin im Herzen« so meisterhaft zelebrierte. Der neue Roman ist gesetzter, er ist nachdenklicher und vor allem – kaum zu glauben! – noch persönlicher. Seinen schwungvollen und klaren Schreibstil hat er sich indes erhalten, womit er auch die »47 Rosen« zu einem erhellenden, anrührenden und im besten Sinne unterhaltsamen Buche bindet.

 Volker Maria Neumann 

Sheridan Peter - 47 Rosen bei amazon.de bestellen

Weitere Rezensionen:

 

 

 

   

Short Info

Sheridan Peter

-