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litsal.de bookinfo Triebel, Matthias Nachttrümmer Roman, 316 Seiten Droemersche Verlagsanstalt, München, 2000 EUR 8,90; Taschenbuch ISBN: 3426615177
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litsal.de | Rezensionen | Matthias Triebel – Nachttrümmer
Matthias Triebel, Nachttrümmer Another day comes, another day goes …
Wer Soloalbum von Benjamin von Stuckrad-Barre gelesen hat und Faserland von Christian Kracht, der darf Matthias Triebels »Nachttrümmer« nicht auslassen. Während Stuckrad-Barre und Kracht eher böse und sarkastisch agieren, schlägt Triebel ruhigere Töne an. Vielleicht ist er auch deswegen nicht so bekannt, wie die beiden anderen omnipräsenten Literaten. Eine Suche bei Google.de nach "Benjamin von Stuckrad-Barre" bringt allein ungefähr 3.130 Treffer, die Suche nach "Christian Kracht" ungefähr 3.360. Die Suche nach "Matthias Triebel" bringt gerade mal 48 Treffern, eine handvoll davon hat mit dem gesuchten Matthias Triebel zu tun. Nicht zuletzt, findet sich nicht einmal auf der Homepage des Verlags Knaur-Lemon etwas über den Autor oder das Buch. Ironie des Schicksals mag es sein, dass es auf der Homepage des Mutterverlags (Droemer) eine Rubrik »Nachttrümmer« gibt. Dort finden sich zum Beispiel Tania Kindersley und Bruno Maddox. Aber auch hier keine Spur weit und breit von Matthias Triebel. Die Suchmaschine Google als Popularitäts-Meßlatte zu nehmen, ist auch eine Eigenart dieser Generation. Es gibt keine Mathias Triebel Homepage, so wie sie etwa Christian Kracht und Stuckrad-Barre pflegen, und Informationen zum Autor sind quasi nicht zu finden. Unter triebel.de finden sich traurigerweise »10.000 Artikel online für Jäger, Sportschützen und Naturfreunde«. Matthias Triebel scheint ebenso wenig bekannt zu sein, wie er nicht daran interessiert zu sein scheint, diesen Zustand zu ändern. Schade eigentlich. Denn »Nachttrümmer« ist ein durchaus gelungenes Debüt. Der Autor erzählt aus dem Leben einiger Twenty-Somethings durchgehend aus der Ich-Perspektive seiner beiden Hauptpersonen Christoph und Karla. Mark, Karla, Sarah, Maren und Jens sind dabei eher Nebenschauplätze. Über einen Zeitraum von rund fünf geschilderten Wochen erzeugt Triebel – neben den Schilderungen der eigentlich und letztlich durchaus bekannten Ereignissen in den Leben seiner Protagonisten – vor allem eine Stimmung der Melancholie. Da kommt das fehlende Happy End schon fast erwartet. Karla und Christoph sind zwei sympathische Charaktere mit hohem Identifikationspotential, die durch die Irrungen und Wirrungen des Großstadt-Lebens torkeln. Triebel gelingt es gut, die Perspektivwechsel glaubhaft und inhaltlich konsequent durchzuziehen, was natürlich den ein oder anderen Spannungs- und Überraschungs-Effekt mit sich bringt. Matthias Triebels »Nachttrümmer« ist ein durchaus empfehlenswerter Debüt-Roman, der weniger durch zwangahft intellektuellen Anspruch zu überzeugen weiß, als vielmehr durch die sympathischen Protagonisten und das vermittelte Lebensgefühl. Karla und Christoph sind zwei Charaktere zum verlieben. Ihr Leben in »der größten Stadt Europas«, dem Ruhrpott, ist geprägt von der ewigen Suche nach der endlich mal guten Party, der endlich mal großen und mal bitte nicht unglücklichen Liebe, dem Sinn des Lebens. Aber die Partys machen schon lange keinen richtigen Spaß mehr und mit der Liebe will das auch nicht so ganz klappen, und den Sinn des Lebens findet man auch nicht. Es ist eine Generation, die mit Tschernobyl aufgewachsenen ist, Kohl und Grünem Punkt und Golfkrieg. Die Generation Golf der 90er, die als Twenty-Somethings dank der wirtschaftlichen Leistungen ihrer Großeltern und den vermeintlichen Errungenschaften ihrer 68er-Eltern zwischen Beziehungsunfähigkeit und Sinnsuche hin und her tappt. Wenn Kracht in Faserland und Stuckrad-Barre in Soloalbum eher deskriptiv und journalistisch Distanz wahren, stürzt sich Triebel mit ganzem Herzen in jenes Leben, was Kracht und Barre von außen beschreiben. »Und dann, irgendwann, wird es mir in zehntausend Metern klar: (Karla in »Nachttrümmer«) Doch so liebevoll Triebel seine Protagonisten auch beschreibt, das offene Ende – im Sinne einer nicht gefundenen Lösung und einer nicht realisierten Beziehung zweier in einander verliebten Menschen – provoziert auch zu Kritik und der Frage nach der Notwendigkeit dieser zerfressenden Selbstklärung. Sie lässt im Umkehrschluss auch die Vermutung zu, dass es dieser Generation eigentlich zu gut geht. Aufgrund fehlender Notwendigkeit für ein generelles politisches Interesse geschweige denn Engagement, wird ein unerbittlicher Selbstklärungs-K(r)ampf geführt. Ob das gut ist, ob das irgendwann in den Leben der Karlas und Christophs überhaupt irgendwann mal gut gehen wird, ist eine Frage, die die Zeit beantworten wird. Triebel lässt zumindest Christoph in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken und am Ende bildgewaltig »in ein neues Leben« treten – »der Sonne entgegen« – während er die arme Karla ihr (sicherlich nicht letztes) Glas Champagner in einem Zug leeren lässt, ihr den Verstand ausknipst und sie ihrem ersten interkontinentalem Rausch entgegenfliegen lässt … Bleibt zu hoffen, dass das zweite Buch des geheimnisvollen Herrn Triebel aus München, an dem er laut Klappentext arbeitet, denn nun auch mal bald erscheint. Denn »Nachttrümmer« macht Lust auf mehr von dieser sensiblen Stimme. Matthias Triebel - Nachttrümmer bei amazon.de bestellen Weitere Rezensionen: –
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